In Brünn enthüllte Oberbürgermeister Roman Onderka ein Denkmal für den Vertreiberpräsidenten
Utl.: Beneš-Statue vor der „Fakultät der Rache“
Wien / München / Brünn, am 20. April 2010

Seit dem 10. April ist die mährische Hauptstadt Brünn, Standort des Verfassungsgerichts der Tschechischen Republik, um einen „Anziehungspunkt“ reicher – einen zutiefst verachtenswerten allerdings: ein Denkmal für den Vertreiberpräsidenten Edvard Beneš vor der Juridischen Fakultät der Masaryk-Universität.

 

Feierlich enthüllt wurde es von Oberbürgermeister Roman Onderka (ČSSD), der zwei Wochen zuvor noch als Verständigungswilliger beim deutsch-tschechischen Brünner Symposium der Ackermann-Gemeinde aufgetreten war (›Sudetendeutsche Zeitung 14/2010). Nun aber verwies Onderka auf das Erbe und die „gravierenden politischen Qualitäten“ des zweiten tschechoslowakischen Präsidenten. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß es dank guter Zusammenarbeit nach fünf Jahren gelungen sei, das Vorhaben zu verwirklichen.

Lassen wir diesmal zuerst einen Tschechen kommentieren, den Brünner Journalisten Michal Kašpárek. Seinen Artikel in „Brno Now“, dem „täglichen Führer durch Brünn für kluge Leute“ ( Internet www.brnonow.com ), überschrieb er so: „Edvard Beneš bekommt eine Statue vor der Fakultät der Rache (früher bekannt als Juristische Fakultät)“. Sein Kommentar:

„Eine Statue von Edvard Beneš, dem zweiten Präsidenten der Tschechoslowakei, wird am Samstag vor der Juristischen Fakultät aufgestellt werden. Ich kann nicht mit dem Rest meiner Stadt applaudieren.

Laßt uns vergessen, daß Beneš kaum mit Brünn zu tun hatte und daß er ein ,Verlierer-Präsident‘ war (er beendete seine erste Amtszeit, indem er vor den Faschisten kapitulierte, und seine zweite Amtszeit, indem er sich den Kommunisten ergab.) Ich kann einfach nicht verstehen, wie der Urheber der Beneš-Dekrete eine Statue direkt vor der Juridischen Fakultät bekommen kann.

Die Beneš-Dekrete waren eine Serie von Verordnungen, die Beneš zwischen 1940 und 1945 erließ. Die am meisten umstrittenen von ihnen wurden kurz nach Kriegsende verhängt – und sie waren beseelt von den Prinzipien der Kollektivschuld, von Nationalchauvinismus und zentraler Planwirtschaft:

Im Mai 1945 konfiszierte Beneš das Eigentum der deutschen und ungarischen Einwohner der Tschechoslowakei (etwa drei Millionen Menschen). Um sein Eigentum zu retten, mußte man beweisen, daß man aktiv gegen die Nazis gekämpft hatte.

Er verstaatlichte auch Schlüsselindustrien, von Kohlebergwerken bis hin zu Banken. Drei Jahre bevor die Kommunisten die Macht übernahmen, zerstörte Beneš de facto die freie Marktwirtschaft in dem Land. (Diese Rechtsbeugung ist von den nach 1989 gewählten Regierungen nie geheilt worden im Gegensatz zu den Verstaatlichungen durch die Kommunisten nach 1948.)

Im August 1945 enthielt das Dekret Nr. 17 den Deutschen und Ungarn in der Tschechoslowakei die Staatsbürgerschaft vor, was die Deportation eines Fünftels der Bevölkerung der Tschechoslowakei, die Hunderte von Jahren in ihren Häusern gelebt hatte, in die Nachbarländer nach sich zog.

Was mich am meisten krank macht: Beneš verhinderte die Untersuchung der ethnisch motivierten Gewalt, die im Sommer 1945 in vielen tschechischen Städten angewendet wurde. Hunderte unschuldiger Frauen und Kinder wurden in diesen Monaten getötet, teilweise von tschechischen Kollaborateuren, die zu beweisen versuchten, wie loyal sie zu ihrer Nation gestanden hatten.

Ich sage weder, daß Edvard Beneš die Verkörperung des Bösen war, noch, daß alle Deutschen und Ungarn unschuldige Opfer seiner Gesetze waren. Immerhin lebte Beneš in einer Zeit, die nichts mit Recht und Gesetz, wie wir sie heute verstehen, im Sinn hatte, und seine Dekrete ,Treibt sie aus, laßt Gott sie sich vorknöpfen‘ beweisen dies recht gut. Es gäbe eine Menge Leute, die eine Statue vor der Juridischen Fakultät weit mehr verdient hätten als Beneš.

Zu schade, daß die Tschechische Republik noch immer nicht bereit für eine nüchterne Debatte über all die Dinge ist, die zwischen 1938 und 1945 geschehen sind.“ So weit Michal Kašpárek.

 

Ob der Brünner Oberbürgermeister seine Zeilen gelesen hat?

In der Tat hat Edvard Beneš auch seinem eigenen Volk und Land geschadet, wie auch die amerikanische Historikern Mary Heimann in ihrem sehr lesenswerten Buch „Czechoslowakia. The State that Failed“ (›SdZ 10/2010) feststellt: weil er den Sudetendeutschen das Selbstbestimmungsrecht verwehrte und nach 20 Jahren Unterdrückung ihre Heimatgebiete an Deutschland abtreten mußte, weil er es sich mit den Slowaken so sehr verdarb, daß diese 1939 die Tschechoslowakei ver- und eine „Resttschechei“ hinterließen, weil er die Deutschen aus dem Land jagte, obwohl 1945 die Hoheit auch im Sudetenland wieder von Berlin auf ihn übergegangen war, und die wiedererrichtete ČSR damit in vielfacher Hinsicht schwächte, und weil er mit Josef Stalin paktierte und kurz vor seinem Tod die Macht im Lande den Kommunisten übergab, die es noch weiter herunterwirtschafteten.

 

Brno Now

Edvard Beneš gets a statue in front of the Faculty of revenge (formerly known as the Faculty of law)

by Michal Kašpárek on April 8, 2010

 

www.sudeten.de / Sudetendeutsche Zeitung

 

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